Vier Top-Ligen fordern grundlegende Reformen bei der FIFA

Vier der fünf besten Ligen Europas haben soeben etwas getan, was Ligen normalerweise nicht tun: Sie haben gemeinsam ihre Namen unter einen Brief gesetzt und die Verantwortlichen im Fußball zur Rede gestellt. Der Vorwurf? Die FIFA führt den Sport wie eine Einmann-Show, entscheidet über Regeln, Geld und Terminkalender, ohne den Menschen, die die Ligen tatsächlich betreiben, auch nur eine Nachricht zu schicken.

Der Auslöser war Infantinos Lieblingsprojekt, die Erweiterung der Weltmeisterschaft auf 48 Mannschaften. Mehr Teams in das Turnier zu quetschen, mehr Spiele in einen bereits überfüllten Kalender zu pressen und dabei irgendwie zu vergessen, die Ligen zu fragen, deren Spieler diejenigen sind, die dabei zusammengedrückt werden. Das scheint der Punkt zu sein, der das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht hat.

Hier ist, was sie tatsächlich fordern. Ein permanentes Gremium mit echter Stimmberechtigung, keine Kommission, die sich nur für Fototermine trifft. Unabhängige Bewertungen darüber, wie sich die Entscheidungen der FIFA auf den Sport auswirken, durchgeführt von Menschen, die niemandem in Zürich Rechenschaft schulden. Und eine klare Trennung zwischen der regulatorischen und der kommerziellen Rolle der FIFA, damit die Organisation, die die Regeln aufstellt, nicht auch diejenige ist, die die Einnahmen aus diesen Regeln einstreicht.

Zu einem Treffen eingeladen zu werden und eine Entscheidung mitgeteilt zu bekommen, sind zwei verschiedene Dinge, und diese Ligen haben offenbar genug vom Ersten, ohne jemals das Zweite zu bekommen. Dieser Unterschied, so klein er klingen mag, ist der ganze Kern des Streits.

Wenn die FIFA einen ausgewachsenen Bürgerkrieg mit den Menschen vermeiden will, die ihre besten Spieler ausbilden, bezahlen und versichern, dann wäre Zuhören ein guter Anfang. Nicht Zuhören im Sinne von Nicken während eines Telefonats, sondern Zuhören im Sinne von einer Änderung der Stimmenverteilung. Alles andere, und dieser Brief wird nur das erste Kapitel einer viel längeren, chaotischeren Geschichte sein.

Warum Top-Ligen eine FIFA-Reform fordern

Fifas undurchsichtige Terminierungsmacht

Diejenigen, die zu viel davon haben, merken es selten, bis jemand mit dem Finger drauf zeigt. Vier der Top-Ligen der Welt haben genau das gerade getan, und die FIFA sollte wohl anfangen zuzuhören.

Die Beschwerde ist nicht kompliziert. Die FIFA legt die Regeln fest, kontrolliert das Geld und trifft die politischen Entscheidungen, ohne dass irgendjemand ihre Hausaufgaben überprüft. Ligen und Vereine werden zwar zu Sitzungen eingeladen, aber „zu Sitzungen eingeladen werden“ und „tatsächliche Macht haben“ sind zwei verschiedene Dinge, wie jeder bestätigen kann, der schon einmal eine Betriebsversammlung über sich ergehen lassen musste. Die nationalen Wettbewerbe sind der Ort, an dem 99 % der Profispieler ihre gesamte Karriere verbringen werden, Weltmeisterschaftsträume mal außen vor gelassen. Und doch werden genau diese Wettbewerbe wie Vorprogramme für die Hauptveranstaltung der FIFA behandelt.

Nehmen wir den Kalender. Die FIFA erweitert ihn, wann immer es ihr passt, verschiebt Turniertermine hin und her und lässt alle anderen dabei zusehen, wie sie sich anpassen müssen. Sender verlieren geplante Einnahmen. Vereine verlieren Trainingsfenster. Niemand bekommt eine Vorwarnung, geschweige denn ein Mitspracherecht. Man stelle sich vor, der eigene Chef würde den Arbeitsplan umstellen, ohne zu fragen, und sich dann noch wundern, warum man verärgert ist. Ein Großteil dieser Frustration lässt sich auf Infantinos Vorstoß zurückführen, die Weltmeisterschaft auf 48 Mannschaften auszuweiten.

Hier könnte etwas Demut viel bewirken. Echte Partnerschaften beinhalten Beratung, keine Erlasse, die von einem Gremium verkündet werden, das kaum jemandem Rechenschaft schuldet. Man gebe den Ligen einen Platz am Tisch, bevor Entscheidungen getroffen werden, nicht erst, nachdem der Spielplan schon gedruckt ist. Transparenz ist keine Bedrohung für die Autorität der FIFA; sie ist genau das, was diese Autorität erst legitim erscheinen lassen würde.

Vier Ligen haben gerade laut ausgesprochen, was viele Leute seit Jahren nur geflüstert haben. Ob die FIFA zuhört, ist eine andere Frage, aber der Druck kommt endlich aus der richtigen Richtung: von denjenigen, die den Sport tatsächlich Tag für Tag, Woche für Woche am Laufen halten, ohne sich hinter einem WM-Pokal verstecken zu können.

Was befeuert den FIFA-Streit?

Fragen Sie einen Trainer, der zugesehen hat, wie ein talentierter Kapitän zu lange ungeprüft blieb, und er wird Ihnen dasselbe sagen: Unangefochtene Autorität hört irgendwann auf, sich selbst zu erklären. Genau das ist der Vorwurf, der derzeit um das Präsidentenamt der FIFA kreist. Eine Person kontrolliert regulatorische, kommerzielle und politische Hebel, und niemand hält diesen Entscheidungen einen Spiegel vor. Angesichts wachsenden Drucks hat Infantino nun angeboten, Gespräche mit Kritikern zu führen, und eine unabhängige externe Überprüfung der Governance-Struktur der FIFA angekündigt.

Stellen Sie sich die Weltmeisterschaft als Geschäftstreffen vor, bei dem nur ein Mann eine Stimme hat. Kommerzialisierungsdeals monetarisieren die Turnierrechte, der Kalender dehnt sich aus, um die nationalen Saisons zu verschlingen, und verpflichtende Freistellungsfenster werden aufgezwungen wie ein Memo, das niemand vor der Unterschrift gelesen hat. Jedes Element für sich mag vertretbar sein. Zusammengenommen lesen sie sich wie eine Meisterklasse darin, wie man kein Vertrauen bei den Menschen aufbaut, die den Sport Woche für Woche tatsächlich betreiben.

Ligen bekommen es zuerst im Geldbeutel zu spüren. Die Verhandlungsmacht verschiebt sich immer weiter Richtung Zürich, die Spieltagseinnahmen erleiden Einbußen, und die Terminplanung verwandelt sich in ein Rätselraten, auf das sich niemand eingelassen hat. Fügt man Aufsichtsgremien hinzu, die etwa so viel Biss haben wie ein Vorbereitungsspiel, erhält man eine Stimmung wie in der Kabine: Entscheidungen kommen bereits fertig ausgekocht an, Erklärungen kommen zu spät, und Zustimmung fühlt sich eher wie ein nachträglicher Gedanke an als wie eine Notwendigkeit.

Hier ist die Lösung, die niemand laut aussprechen möchte: Geben Sie den Aufsichtsgremien echte Biss-Kraft, trennen Sie kommerzielle Interessen von Governance-Abstimmungen, und lassen Sie die Ligen über Freistellungsfenster verhandeln, statt sie ihnen aufzuerlegen. Nichts davon erfordert, den Sport neu zu erfinden, sondern lediglich, der Versuchung zu widerstehen, ihn wie eine Ein-Mann-Show zu führen.

Die FIFA-Reformen, die die Ligen fordern

Diesen Scherbenhaufen zu beseitigen beginnt mit einer einfachen Forderung, der Art, wie sie jemand stellen würde, der zu vielen Kollegen zugesehen hat, wie sie von leeren Versprechen verbrannt wurden: den Stakeholdern einen echten Platz am Tisch geben, keinen Klappstuhl, der bequem in der Nähe des Ausgangs positioniert ist. Die Ligen wollen ein permanentes Gremium mit echter Stimmrechtsmacht über Spielpläne, Wettbewerbe und Kernvermögenswerte. Symbolische Konsultation reicht nicht mehr aus, und ehrlich gesagt, hat sie das nie getan. Dieser Vorstoß kommt direkt aus einem offenen Brief, der von vier der fünf großen europäischen Ligen unterschrieben wurde.

Unabhängige Folgenabschätzungen vor jeder größeren Entscheidung , das ist die nächste Forderung, komplett mit veröffentlichten Belegen und einer Methodik, die transparent genug ist, dass niemand FIFA einfach nur auf ihr Wort glauben muss. Man könnte es sich als die Hausaufgaben vorstellen, die FIFA von Anfang an hätte machen sollen, anstatt die Antworten während eines Zwischenstopps in Zürich von einer Serviette abzuschreiben.

Regulatorische Funktionen müssen sich vollständig von kommerziellen Interessen trennen. Firewalls sind hier wichtig, jene Art, die FIFA davon abhält, ihre eigene Autorität als persönlichen Geldautomaten zu benutzen. Ethik- und Finanzaufsicht benötigen ebenfalls budgetäre Unabhängigkeit, denn ein Ethikkomitee, das um Erlaubnis für sein eigenes Kaffeebudget bitten muss, schlägt niemandem wirklich Angst und Schrecken ein.

Eine Governance-Konvention innerhalb von 100 Tagen würde das Gespräch über Rechenschaftspflicht erzwingen, das seit Jahrzehnten vermieden wurde. Kombiniert man das mit Rechtsmitteln, die Stakeholder tatsächlich durchsetzen können, erhält man plötzlich etwas, das einem System mit Zähnen ähnelt, statt einem mit bloßem Zahnfleisch.

Top-Ligen fordern FIFA-Reformen