Klopp widmete einen Teil seiner Pressekonferenz vor dem Nations-League-Spiel Deutschlands gegen Serbien nicht der Taktik. Nach der 0:1-Niederlage gegen Griechenland hatten Nutzer im Netz die Mannschaft als „nicht deutsch genug“ oder „nicht weiß genug“ bezeichnet. Er sagte den Reportern, er habe wenig Geduld für diese Art von Dummheit, ganz gleich, ob sie in einer Kommentarspalte oder bei einem Streit auf der Straße auftauche.
Er verwies außerdem darauf, wie die Mannschaft aussieht: Viele Spieler haben einen Migrationshintergrund, und das ist schlicht der Kader, keine Randnotiz. Im deutschen Fußball ist das schon lange so. Zu den Weltmeistern von 2014 gehörten Miroslav Klose und Lukas Podolski, beide in Polen geboren, sowie Mesut Özil, Sami Khedira und Jérôme Boateng, deren Familien aus der Türkei, Tunesien und Ghana stammen. Niemand hat vor dem Finale im Maracanã Pässe kontrolliert.
Wenn du ein junger Spieler bist und diese Kommentare liest, würde ich dir Folgendes sagen: Eine 0:1-Niederlage gegen Griechenland erfordert ein Gespräch über Spielaufbau und Chancenerarbeitung, nicht über Stammbäume. Noch nie hat jemand eine Abwehrreihe repariert, indem er die Großeltern eines Verteidigers recherchiert hat. Wer nach einem schlechten Ergebnis zum Rassismus greift, überspringt die eigentliche Analyse, meist weil sie schwieriger ist.
Klopps Worte sind wichtig, aber ein Trainer am Podium sollte nicht die einzige Verteidigung sein. Angesichts der näher rückenden Weltmeisterschaft 2026 und der damit verbundenen Flut an Aufmerksamkeit für jeden einzelnen Spieler wünsche ich mir vom DFB drei konkrete Maßnahmen:
- Veröffentlichen, wie viele beleidigende Nachrichten er dokumentiert und meldet.
- Strafanzeigen stellen, wo das Gesetz es erlaubt.
- Den Spielern eine besetzte Anlaufstelle bieten, damit sie das Schlimmste nicht allein auf ihren Handys lesen müssen.
Auch die Fans haben eine Aufgabe. Meldet die Beleidigungen, anstatt mit ihnen zu diskutieren, denn Antworten füttern nur den Algorithmus.
Als Nächstes: wie Fans, Medien und der DFB reagiert haben und warum diese Art von Anfeindung immer wiederkehrt.
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ToggleKlopp verurteilt rassistische Beiträge nach der Niederlage gegen Griechenland

Klopp hatte eine Lektion zu erteilen, und er wartete nicht auf eine Frage, um sie zu halten. Auf seiner Pressekonferenz vor dem Nations-League-Spiel gegen Serbien ging er auf die Anfeindungen ein, die auf Deutschlands 0:1-Niederlage gegen Griechenland folgten. Einige Nutzer in den sozialen Medien hatten entschieden, die Mannschaft sei „nicht deutsch genug“ oder „nicht weiß genug“. Laut ARD Sportschau löschten Plattformen schließlich Tausende hasserfüllter Kommentare.
Seine Antwort war kurz, und sie enthielt eine gute Lehre. Er sagte, er habe wenig Geduld mit Dummheit, ob online oder offline. Außerdem wandte er sich gegen die Vorstellung, das Internet solle es jedem erlauben, ohne Grenzen alles zu sagen. Die Anfeindungen, so argumentierte er, verdienten nicht die Aufmerksamkeit, nach der sie verlangen, also werde er ihnen keine schenken. Dem stellte er das Lager der Nationalmannschaft gegenüber, in dem viele Spieler einen Migrationshintergrund haben und die Gruppe, wie er sagte, im Miteinander nicht besser sein könnte. Es ist die Art von Rat, die ein guter Lehrer gibt: Streite nicht mit dem Störenfried, denn genau deswegen ist er gekommen.
Für einen Presseraum ist das ein guter Rat. Als Strategie greift er zu kurz. Ein Problem zu ignorieren funktioniert für einen Mann an einem Mikrofon, aber es hilft einem 19-jährigen Flügelspieler nicht, der um 2 Uhr nachts seine Benachrichtigungen liest. Tausende Kommentare im Nachhinein zu löschen bedeutet außerdem, dass der Schaden zuerst entstanden ist.
Angesichts der WM 2026, die mit 48 Teams weit mehr Spiele und weit mehr Menschen mit Smartphones mit sich bringt, erscheinen drei Maßnahmen sinnvoll:
- Während der Spiele moderieren. Plattformen sollten für den Anstoß Personal bereitstellen und filtern, nicht erst für den nächsten Morgen.
- Die schlimmsten Fälle strafrechtlich verfolgen. Verbände können Beweise sammeln und Anzeigen erstatten, damit die Konsequenzen die Absender treffen und nicht die Spieler.
- Spielern Werkzeuge an die Hand geben. Sie sollten Kommentarfilter schon vor Turnierbeginn aktivieren können, nicht erst nach der ersten schlimmen Nacht.
Klopp stellte sich in England einst als „a normal one“ vor. Normal wäre in diesem Fall ein Sport, der nicht darauf angewiesen ist, dass seine Trainer diese Rede halten müssen.
Wie Fans, Medien und der DFB auf Klopp reagierten
Klopps Bitte war einfach: Fütterd den Hass nicht. Guter Rat, und schwer zu befolgen, nachdem die Niederlage gegen Griechenland zu einer größeren Geschichte geworden war als das Spiel selbst. Fast 1.000 Kommentare wurden von den Konten großer Sender gelöscht. Etwa 11 Millionen Menschen hatten das Spiel gesehen, deshalb würde der Berg an Hass nie unsichtbar bleiben. Deutschlands nächstes Nations-League-Spiel ist gegen Serbien, live im ZDF aus München am Donnerstag, dem 1. Oktober.
Hier ist eine Zahl, die man richtig einordnen sollte. Rund 1.000 gelöschte Kommentare bei 11 Millionen Zuschauern sind ein winziger Anteil, aber sie erfasst nur, was Moderatoren entdeckt und entfernt haben. Es ist eine Untergrenze, keine Obergrenze. Stellen Sie sich einen Türsteher vor, der Ihnen sagt, er habe zehn Leute rausgeworfen. Wie viele er übersehen hat, sagt er Ihnen nicht.
Die bessere Nachricht kam von der anderen Seite. Der Anti-Rassismus-Clip der Sportschau erhielt mehr als 20.000 Likes, und Fans wiederholten immer wieder einen Satz: Wer für Deutschland spielt, ist Deutscher, Punkt. Das ist eine ordentliche Antwort, auch wenn ein Like nichts kostet. Es zeigt, wo die Leute stehen. Es verändert nicht, wie der nächste Spiel-Thread aussieht.
Die Presse behandelte das Thema immerhin als mehr als eine Sportgeschichte. ARD, ZDF, Die Zeit, FAZ und WELT berichteten alle über die Beschimpfungen und stellten sie als gesellschaftliches Problem dar, und dort gehört es auch hin. Ein Verteidiger, der einen Pass verstolpert, hat einen schlechten Abend. Ein Verteidiger, der danach rassistische Nachrichten bekommt, hat ein ganz anderes Problem, und die Berichterstattung hat das so benannt.
Dann ist da noch der DFB. Er bekräftigte seine Nulltoleranz, stellte sich hinter die Spieler und weitete die Zusammenarbeit mit Sendern und Vereinen aus. Schön und gut, aber „Nulltoleranz“ ist ein Ausdruck, den jeder Verband für sich beansprucht, und er bedeutet nur dann etwas, wenn man ihn überprüfen kann. Deshalb mein Vorschlag: Nach jedem Turnierspiel die Zahlen veröffentlichen, nämlich wie viele Kommentare entfernt, wie viele Konten gemeldet und wie viele Fälle an die Staatsanwaltschaft weitergegeben wurden. Den Spielern eine feste Ansprechperson für Unterstützung nennen, damit niemand allein durch den Dreck scrollen muss. Mit den Sendern gemeinsame Moderationsregeln vereinbaren, vor dem Anpfiff und nicht erst nach dem Schaden.
Diese Schritte sind langweilig, und langweilig funktioniert meistens. Eine Erklärung wird einmal gelesen, ein monatlicher Bericht dagegen immer wieder, und er zeigt, ob die Versprechen gehalten haben.
Warum der Rassismus gegen Deutschlands Nationalmannschaft immer wieder aufkommt
Die Anfeindungen nach der Niederlage gegen Griechenland haben eine lange Vorgeschichte, und es hilft, sie der Reihe nach zu betrachten. Die Bundesrepublik begann 1955, Gastarbeiter anzuwerben, zunächst aus Italien, dann aus Spanien, Griechenland und der Türkei und später aus Ländern wie Marokko, Tunesien und Jugoslawien. Viele blieben, und ihre Enkel füllen heute die Nachwuchsleistungszentren. Die Staatsangehörigkeitsreform von 2000 machte das offiziell, indem sie vielen im Land geborenen Kindern von langjährig hier lebenden Eltern die deutsche Staatsbürgerschaft gewährte. Nicht alle jubelten. Mesut Özil brachte die daraus entstandene Zwickmühle in einem Satz auf den Punkt, als er 2018 aus der Nationalmannschaft zurücktrat: Er sei Deutscher, wenn das Team gewinne, und Immigrant, wenn es verliere. 2016 soll der AfD-Politiker Alexander Gauland gesagt haben, die Leute fänden Jérôme Boateng als Fußballer gut, wollten ihn aber nicht als Nachbarn haben. Eine ARD-Umfrage aus dem Jahr 2024 ergab, dass sich 21 Prozent der Befragten mehr weiße Spieler im Team wünschten. Das ist eine Minderheit, aber eine groß genug, um die Debatte am Leben zu halten, und eine Nationalmannschaft ist eine einfache Bühne dafür.
Soziale Medien liefern das Mikrofon. Jürgen Klopp hat das Internet als großen gesellschaftlichen Fehler bezeichnet, weil es jedem eine Plattform bietet. Anonyme Accounts zu erstellen kostet nichts, Reposts verbreiten sich schneller, als ein Moderator lesen kann, und eine Beleidigung kann stundenlang kursieren, bevor sie jemand entfernt. Der Digital Services Act der EU verpflichtet große Plattformen bereits dazu, diese Risiken zu bewerten und zu verringern, und die Bußgelder können bis zu 6 Prozent des weltweiten Umsatzes betragen. Die Instrumente existieren also. Es fehlt an ihrer konsequenten Anwendung.
Wenn ich den DFB leiten würde, würde ich mit drei Dingen beginnen. Erstens: ein Rechtsteam einstellen, das für jede Drohung gegen einen Spieler Strafanzeige erstattet und jede Saison die Ergebnisse veröffentlicht, damit die Fans sehen, was passiert. Zweitens: den Spielern einen direkten Meldeweg bieten, damit niemand zwischen Training und Abendessen Screenshots der eigenen Anfeindungen machen muss. Drittens: die Aufsichtsbehörden drängen, den DSA gegen Plattformen durchzusetzen, die wiederholte Meldungen ignorieren. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2026 ist das eine bessere Verwendung der nächsten Monate als eine weitere Erklärung über „Werte“
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